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Das Totenschiff

Ohne Seemannskarte ist ein Seemann ein Nichts im Europa der 20-er Jahre. Da hilft kein Jammern, dass das Schiff, auf dem er angeheuert hatte, ohne ihn weggefahren ist, an Bord die Ausweispapiere und die gesamte Habe. Für den Helden und Ich-Erzähler beginnt eine Odyssee, ohne Hoffnung auf Rückkehr nach Übersee, wo die Liebste wohl wartet. Er sucht vergeblich nach Arbeit, die es ohne Papiere, ohne Wohnsitz, ohne Staatsangehörigkeit nicht gibt. Er landet in Polizeistationen und Haftzellen, wird über Grenzen zwischen Belgien, Holland, Frankreich, Spanien hin- und hergeschoben, von Konsulaten abgewiesen. Niemand ist zuständig für ihn; niemand will ich haben, bis eines Tages am Kai die Yorikke entlangschrammt, an Bord Leute wie er. Der Seemann heuert als Kohlenschipper an. Er hat keine Wahl. Er weiß, dass dieser "Eimer" ein "Totenschiff" ist, seine Mannschaft zerlumpt und zerschunden, mit Hungerlöhnen bezahlt, wenn überhaupt, und letztlich dem Tode auf See ausgeliefert. - B. Travens "Totenschiff" (1926 geschrieben) ist ein Klassiker unter den Abenteuerromanen, das Hörspiel , 1981 produziert, packend wie eh, zeitlos. Die farbige Erzählung zieht mit, reflektiert, öffnet sich den derben Dialogen, Geräusche skizzieren Kulisse. Auch wenige Musikpassagen aus Dvoraks "Aus der Neuen Welt" und rauhe, melancholische Jazz-Songs aus "a jazz piano anthology" von und mit Bix Beiderbecke greifen Stimmungen auf. Spannend, solide ist das Hörspiel inszeniert, mit guten Sprechern und sicherer Dramaturgie. Wie das Buch setzt auch sie nicht auf Seemannsromantik und bloßes Abenteuer. Dahinter zeichnen sich Verlorenheit, Ausbeutung und Überlebenskampf unsentimental ab. (ge)

Dauer
110 Minuten
Autor/Quelle
Traven, Bruno
Sprecher
Schwarzmeier, Michael u.a.
Verlag

Igel Records 2000

Jahr
2000